Papageienhilfe Aachen e.V.
65. Ausgabe 2/13
Für Freunde und Mitglieder

Papageienhilfe Aachen e.V.

| Inhatsverzeichnis - Ausgabe 65 |
| 1. Liebe Mitglieder und Freunde | 2. Papageienfedern gesucht! | 3. Lucy sucht einen Mann | 4. Amazonen |

Amazonen

Doppelgelbkopfamazonen"So mittelgroße Papageien, alle ziemlich grün, sehen auch alle fast gleich aus". So beschrieb vor einiger Zeit eine Bekannte die Amazonenkollektion in einem Vogelpark. Tatsächlich ist die Beschreibung eigentlich recht passend, viele Amazonenarten sehen zumindest für Laien vergleichsweise ähnlich aus.

Deshalb war es auch lange unumstritten, mehr oder weniger alle mittelgroßen, grünen Papageien aus Südamerika, die irgendwie "amazonenmäßig" aussehen, in die Gattung Amazona zu stellen. Diese Gattung war dann auch lange sehr umfangreich, enthielt sie eben doch alle Papageien, von denen man dachte, dass es sich taxonomisch um Amazonen handelte. Erst in den letzten Jahren hat sich diese Einschätzung geändert.

Neue Verfahren (z.B. die DNA- Sequenzierung) haben genauere Einblicke in die Verwandtschaftsverhältnisse von Tierarten ermöglicht. Im Zuge dieser Entwicklung kam und kommt es auch bei den Psittaciden häufig zu Revisionen was die Art- und sogar die Gattungszugehörigkeiten einzelner Populationen betrifft. Amazone ist also längst nicht mehr Amazone, auch wenn die betreffenden Vögel nach wie vor alle "irgendwie mittelgroß und grün" sind.

Einfacher wird die Situation durch die taxonomischen Neuerungen freilich nicht, weder für Laien, die sich mit Unterscheidungen ohnehin schwer tun, noch für Experten, die bemüht sind, einen guten Überblick zu haben, was aus ganz verschiedenen Gründen wichtig ist.

Die "wissenschaftliche Situation" der Amazonen ist also zum einen genauer, zum anderen auch unübersichtlicher geworden. Arten erhielten neue Namen, Unterarten wurden zu eigenen Arten, andere Unterarten wurden neu "sortiert". So gehört die Gelbbauchamazone (früher: Amazona xanthops) z.B. nicht mehr zu den Amazonen, dies hat man durch DNA- Untersuchungen herausgefunden. Der Vogel befindet sich nunmehr in einer neuen, eigens für ihn eingerichteten Gattung und heißt jetzt Alipiopsitta xanthops. Obwohl Gelbbauch"amazonen" mittelgroß und mehr oder weniger grün sind, haben sie genetisch gesehen nichts mit den eigentlichen Amazonen zu tun.

Man sieht, der äußere Schein kann auch bei Papageien trügen, nicht immer hält der Inhalt, was die Verpackung vermuten lässt. Diese Feststellung gilt auch in anderen Fällen, z.B. in Bezug auf verschiedene Unterarten von Amazonen. So sehen die Unterarten des ochrocephala-oratrix-auropalliata Komplexes teilweise unterschiedlicher aus als manche verschiedene Arten untereinander. Und hier ist dann das letzte wissenschaftliche Wort auch noch nicht gesprochen. Einige Wissenschaftler billigen nämlich all diesen Amazonen (zu deutsch also den Gelbnacken-, Gelbscheitel-, und Doppelgelbkopfamazonen) Artstatus zu, andere sehen hier nur verschiedene Unterarten derselben Art.

Zumindest für (private) Züchter sind diese Fragen bzw. ihre korrekte Beantwortung im übrigen nicht so unwichtig, wie es vielleicht auf den ersten Blick erscheinen mag, frei nach dem Motto "Was interessiert mich der genaue wissenschaftliche Name der Amazonen, meine Amazone heißt Coco, fertig!". Denn in Zeiten, in denen auf der ganzen Welt die Lebensräume der Amazonen mehr und mehr zerstört werden, wird es immer wichtiger, die Arten in Menschenobhut zu vermehren und so dazu beizutragen, sie vor dem Aussterben zu bewahren.

Dies macht aber nur Sinn, wenn man keine Hybriden produziert, sondern peinlich genau darauf achtet, nur Individuen zur Fortpflanzung gelangen zu lassen, die dies auch so in freier Wildbahn getan hätten. Es geht also nicht nur darum, nur Angehörige derselben Art zu verpaaren, es ist genauso wichtig auch auf die Unterartenreinheit der Tiere zu achten. Dieser letzte Punkt ist sogar noch wichtiger, da er häufig schwieriger umzusetzen ist. Schließlich kann jeder eine Kubaamazone von einer Blaustirnamazone unterscheiden, aber die jeweiligen Unterarten der Kuba- und der Blaustirnamazone exakt zu bestimmen, ist häufig so schwierig, dass es nur gelingen kann, wenn man die genaue Herkunft der Tiere kennt.

Und dennoch ist es wichtig, wenn man Arten durch Zucht erhalten möchte, denn sonst hat man nach einigen Generationen das, was bei einigen australischen Sittichen passiert ist: man hat keine Vögel mehr, wie sie auch in der Natur vorkommen, sondern einen aus allen vorhandenen Unterarten zusammengestellten europäischen Einheitspapagei, der mit den wildlebenden Artgenossen nichts gemein hat und daher für die Arterhaltung ohne jede Bedeutung ist.

Für Züchter sind die genannten Fragen und die Änderungen in ihrer Beantwortung also immens wichtig, was aber ist mit Haltern, die "nur so" (nicht bedrohte) Amazonen halten wollen? Können diese ihre Paare nach Gutdünken zusammenstellen? Das ist mitnichten der Fall. Denn nur, weil zwei Vögel beide die Bezeichnung "Amazone" in ihrem Namen tragen, heißt das nicht, dass sie auch automatisch gut zusammen passen. Während es fast jedem einleuchten dürfte, dass es bei der Vergesellschaftung von einer Amazone (Herkunft: Mittel- oder Südamerika) mit einem Graupapagei (Herkunft: Afrika) oder einem Kakadu (Herkunft: austral-asiatischer Raum) Probleme geben wird, da eine Verständigung der Vögel untereinander nicht oder nur extrem eingeschränkt möglich ist, würde man das bei der Vergesellschaftung von Amazonen untereinander vielleicht nicht denken.

Doch ist genau das der Fall. Nicht nur kann es bei der Vergesellschaftung unterschiedlicher Amazonenarten Probleme geben, manche Amazonenarten haben ein so großes Verbreitungsgebiet, dass es sogar bei der Vergesellschaftung von zwei Vögeln derselben Art Schwierigkeiten geben kann, nämlich dann, wenn die Tiere aus ganz unterschiedlichen Gebieten ihres Verbreitungsgebietes stammen. Dann möchte das Männchen vielleicht im Februar brüten, während das Weibchen erst im August in Brutstimmung kommt. Eine Synchronisierung der Paarpartner ist in so einem Fall schwierig und dauert in der Regel längere Zeit. Das bedeutet, dass auch Halter, die nur ein Paar Amazonen als Hausgenossen halten wollen, unbedingt auf die richtige Art- und Unterartenzugehörigkeit achten müssen.

Und auch wenn man dies beherzigt, kann es bei der Haltung von Amazonen im Haus schnell zu Problemen kommen, spätestens dann, wenn die Tiere im Alter von drei bis fünf Jahren geschlechtsreif werden. Dann werden vor allem männliche Tiere oft sehr aggressiv, auch ihren vertrauten Haltern gegenüber. Dies passiert schneller da, wo die Tiere von Hand aufgezogen wurden und daher überhaupt keine Scheu vor dem Menschen haben.

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